FROM: Klaus Henkel SUBJECT: Belichtungsmessung: Was hat es mit den 18 % auf sich ? DATE: Tue, 20 Feb 2001 22:01:37 +0100 NEWSGROUPS: de.rec.fotografie Armin Haimerl wollte wissen: > Dann steht überall geschrieben ( Literatur ...), daß jedes > Belichtungssystem mit 18%-Refelexionsvermögen auf Durchschnitt > geeicht ist. Also: Wenn es niemand anders macht, versuche ich es: Alle fotoelektrischen Belichtungsmesser auf der ganzen Welt sind seit ca. 70 Jahren auf 18 % Reflexionsgrad geeicht. Wenn also ein beleuchtetes Objekt von genau solcher Helligkeit ist, daß es 18 % des auftreffenden Lichts reflektiert, so wird es richtig belichtet, wenn man es entsprechend den Angaben des Belichtungsmessers belichtet. Was hat es nun mit diesen ominösen 18 % auf sich ? Statistische Auswertungen aller möglichen Aufnahmesituationen und der Negative haben ergeben, daß das "typische Durchschnittsbild" einen Kontrastumfang von 1:32 hat. Das macht 5 Blenden- bzw. Zeitstufen Unterschied zwischen der hellsten und der dunkelsten Motivpartie im Bild aus. Kommen alle Helligkeitsstufen nach Menge und Verteilung gleichmäßig im Motiv/Bild vor, kann man einen Mittelwert festlegen und ihn zum Ausgangspunkt der Beli-Kalibrierung machen. Die Belichtungswerte, d. h. das Verhältnis der Belichtungstufen zueinanander in Zeit-/Blenden-Kombinationen ist nicht linear, sondern logatithmisch. log 32 = 1,50. Der Mittelwert ist die Hälfte davon, also log x = 0,75 = 5,6 Und 5,6 ist 18 % von 32. Richten wir den Beli auf ein Motiv, das diesem "mittleren Grauwert" nicht entspricht, z. B. übeproportional mehr helle oder dunkle Motivanteile enthält, so daß mehr oder weniger Licht reflektiert wird als 18 % eines Norm-Motivs vom Kontrastumfang 1:32, so zeigt der Beli in Bezug auf dieses Motiv falsche Werte an. Der kundige Fotograf korrigiert dann die Werte der Beli-Anzeige. Wie er das macht und in welchem Ausmaß, und ob er sogar die Filmentwicklung daraufhin abwandelt, nach welchen objektiven Regeln oder welchem persönlichen Geschmack er dabei vorgeht, war von Anfang an und ist immer noch Gegenstand der anwendungstechnischen Fotoliteratur, die weltweit ganze Bibliotheken füllt. Manche lernen das nie perfekt, ich auch nicht. Aber sich damit auseinanderzusetzen ist immer wieder spannend! Alles verunklart ? Gut Norm-Licht! -- Klaus Henkel http://www.mikroskopie-muenchen.de