FROM: kommerell@gmx.de (Wolfgang Kommerell) SUBJECT: =?ISO-8859-1?Q?=DCbersicht?= Projektionsobjektive 52,5 mm (Kodak, Leica Pradovit RT) DATE: Sun, 2 Jun 2002 11:49:45 +0200 ORGANIZATION: -/- NEWSGROUPS: de.rec.fotografie Habe gerade für eine persönliche Mail mein Wissen über die Objektive für Carousel-Projektoren zusammengekratzt - vielleicht ist's ja von allgemeinem Interesse. Außerdem hoffe ich auf zahlreiche Ergänzungen und Korrekturen! Der Markt ist ziemlich unübersichtlich, da es ein breites Angebot gibt. Allerdings gibt es doch eine gewisse Systematik, da die Hersteller im Allgemeinen eine "Standardlinie", eine "Hochleistungslinie" und darüber hinaus "Spezialitäten" anbieten. Zur "Standardlinie" zählen - Isco Projar - Docter Doctaron - Schneider Prolux - Kodak Ektapro FF (ohne "Select") - Kodak Retinar S-AV 1000 - Raynox Standard Objektive (aus Japan) Die Standardobjektive sind meist nicht mehrschichtvergütet, haben vielfach Plastikfassungen und sogar -linsen. Insbesondere die Zooms haben teilweise erbärmliche Abbildungsleistungen (Schärfe, (Farb-)kontrast und Verzeichnung). Wenn es aber um Anwendungen wie Rückpro-Boxen, Informationssysteme oder "Projektionseffekte" geht, sind die Standardobjektive kostengünstige Alternativen. Zur "Hochleistungslinie" zählen - Isco Ultra-AV (früher Cinelux-AV) - Docter Doctarlux - Leica PRO Objektive - Schneider Cine-Xenon oder AV-Xenotar - Kodak Ektapro FF Select, Kodak Retinar S-AV 2000 - Navitar "Golden" Serie (aus USA) - Raynox High Performance Diese sind allesamt MC-vergütet, metallgefasst und in der Regel von hervorragender Qualität. Zu einem Zoom würde ich dennoch nur dann greifen, wenn ich oft unter festgelegten Platzverhältnissen eine festgelegte Bildgröße bräuchte, da sie doch meist in den Brennweitenextremen etwas verzeichnen. Zu den "Spezialitäten" zählen - super-lichtstarke Objektive (Isco Studio-AV, Docter Doctarlux HA, Schneider AV-Xenon) mit f/2,0 - f/2,3, die aber eigentlich nur für extrahelle Spezialprojektoren gedacht sind und von der Abbildungsleistung keine Vorteile gegenüber den "normalen" Hochleistungsobjektiven bieten. - PC-Objektive (Shift-Objektive), die bei der Projektion mit mehreren Projektoren die exakte Deckungsgleichheit der projizierten Bilder neben- bzw. übereinander stehender Projektoren ermöglichen. - PC-Objektiv-Systeme, die das gleiche Bezwecken, jedoch aus einem Kreuzschlitten bestehen, in den verschiedene Objektivzellen eingesetzt werden können. Vorteil gegenüber den "normalen" PC-Objektiven: Größere Verschiebewege, Kostenvorteil bei der Verwendung verschiedener Brennweiten Nachteil: Autofokus funktioniert nicht, sperrig. Die PC-Objektive und -Systeme sind wirklich nur dazu gedacht, um mehrere Projektionsbilder zur Deckung zu bringen; wenn es darum geht, ein exakt rechtwinkliges Projektionsbild bei außermittig positioniertem Projektor zu erzielen, so ist der Verschiebeweg eigentlich zu gering, um den Aufwand zu rechtfertigen. Die Kodak Hochleistungs-Objektive werden und wurden bei Docter und Isco, die Kodak Standard-Objektive in USA oder Fernost hergestellt. Die Schneider-Objektive sind nicht mehr auf dem Markt, wurden aber m.W. großenteils bei Isco produziert (evtl. gehört Isco sogar zu Schneider, das konnte ich aber noch nicht verifizieren). Fassungen: Grundsätzlich 52,5mm Tubusdurchmesser für alle Projektoren von Kodak, Simda, Elmo sowie für die Leica Pradovit RT. Es gibt dennoch zwei Fassungstypen: "Rillentubus" und "Zahnstangentubus". Objektive mit Rillentubus verfügen über eine Spiralnut, werden also in den Projektor "geschraubt" und durch Drehen fokussiert. Objektive mit Zahnstangentubus werden in den Projektor "geschoben" und über einen Knopf am Projektor fokussiert, der auf ein Zahnrad wirkt, das seinerseits in die Zahnstange des Objektivs greift. Die Zahnstange bietet Vorteile bei Zooms (keine versehentliche Verstellung der Brennweite beim fokussieren) und insbesondere bei PC-Objektiven ("Shiftrichtung" wird durch das Fokussieren nicht verändert). Die Kodak Ektapro Projektoren und die weniger alten S-AVs (z.B. S-AV 2030, 2050, 2060) "schlucken" Objektive sowohl mit Zahnstangen- als auch Rillentubus. Die neueren Kodak Ektalite und Ektagraphic Projektoren verwenden ausschließlich Objektive mit Zahnstange (Rillentuben "passen" mechanisch auch rein), die älteren S-AVs ausschließlich mit Rillentubus (Zahnstangentuben passen *nicht*). Die Leica Pradovit RT sind für die Verwendung mit Rillentuben gedacht, jedoch passen Zahnstangentuben hinein, müssen dann aber durch schieben grob vorfokussiert, dann elektrisch feinfokussiert werden. Bei Simda und Elmo Projektoren weiß ich nicht, welche Tuben die jeweiligen Modelle verwenden. Kodak Retinar und Leica PRO Objektive haben ausschließlich Spiralnuttuben, Kodak Ektapro Objektive haben auschließlich Zahnstangentuben. Die anderen Objektive gibt es meist mit beiden Fassungstypen, man kann den Tubus-Typ nicht am Namen ablesen. Teilweise (insbesondere bei mittleren Brennweiten) sind die Tuben nur über die Objektivzelle "drübergeschraubt" und somit austauschbar, evtl. hat die Objektivzelle 42,5mm Durchmesser und eine Spiralnut, kann also direkt in 42,5mm-Projektoren verwendet werden. Manchmal sind die Tuben verklebt, was den Austausch schwer oder unmöglich macht. W. -- La perfection est atteinte non quand il ne reste rien à ajouter, mais quand il ne reste rien à enlever. (Antoine de Saint-Exupéry)